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Lactoferrin: der Weg im Körper

Lactoferrin ist Teil des Weges „Granulozyten in der Darmwand“. Diese Seite zeigt den ganzen Weg; die Station von Lactoferrin ist hervorgehoben.

Hier steht dieser Laborwert: Lactoferrin — eisenbindendes Eiweiß. Lactoferrin ist ein Eiweiß aus der Transferrin-Familie. Es kommt in Muttermilch und Schleimhautsekreten vor und liegt in den Körnchen der Neutrophilen. Im Stuhl bleibt es lange erhalten und ist dort messbar. Quelle 2, 9

Kurz erklärt

Granulozyten sind weiße Blutzellen, die in ihren Körnchen fertige Abwehrstoffe lagern: Neutrophile etwa Lactoferrin und Elastase, Eosinophile das EPX. Wandern sie in die Darmwand ein, geben sie diese Stoffe ab; α-1-Antitrypsin aus dem Blut bremst dort die Elastase.

12 Stationen · 10 Quellen
ORYNeutrophileEosinophileCalciumCarbonathemmtNeutrophilehäufigste weiße BlutzellenWeg in die Darmwanddurch die GefäßwandKörnchen entleertDegranulationLactoferrineisenbindendes EiweißEisen festgehaltenfür Bakterien knappPMN-Elastaseeiweißspaltendes EnzymEiweiße zerlegtvon Mikroben und Gewebeα-1-AntitrypsinHemmstoff aus der Leberα1-AT im StuhlMaß für EiweißaustrittEosinophileweiße BlutzellenEPXauch EDN genanntRNA abgebautRibonuklease-Wirkung

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Der Weg Schritt für Schritt

An jeder Station steht, was der Stoff dort tut. Drei Zeichen: ↑ liefert — baut auf oder stellt bereit · ↓ zehrt — hemmt, verbraucht oder entzieht · ↕ beides, je nach Menge. Dahinter steht, worauf die Aussage beruht: gesicherte Physiologie, in Studien beobachtet oder umstritten. Die Zeichen bewerten nicht; sie benennen die Richtung.

  1. Neutrophile → Weg in die Darmwand Botenstoffe aus gereiztem Gewebe lassen Neutrophile an der Gefäßwand haften. Die Zellen zwängen sich zwischen den Gefäßzellen hindurch und wandern in die Darmschleimhaut. Quelle 6↑ liefert Die Wanderung bringt die Abwehrstoffe dorthin, wo Botenstoffe eine Reizung melden. Je stärker das Signal aus dem Gewebe, desto mehr Zellen treten aus dem Gefäß aus. gesicherte Physiologie Quelle 6
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Hält das Signal an, treten immer neue Neutrophile über und sammeln sich in der Schleimhaut; ein Teil gelangt bis in den Darminhalt.

    zu wenig — Haften Neutrophile kaum an der Gefäßwand, bleiben sie im Blut, und in der Darmwand kommen nur wenige ihrer Abwehrstoffe an.

    gesicherte Physiologie · Quelle 6

  2. Weg in die Darmwand → Körnchen entleert · Calcium Am Ort der Reizung verschmelzen die Körnchen mit der Zellhülle und geben ihren Inhalt nach außen ab. Lactoferrin stammt aus den spezifischen, die Elastase aus den azurophilen Körnchen. Quelle 1↑ liefert Die Entleerung setzt die gespeicherten Abwehrstoffe frei. Die Körnchen öffnen sich in fester Reihenfolge; die azurophilen mit der Elastase zuletzt, und ein Teil der Elastase wirkt in der Zelle selbst. gesicherte Physiologie Quelle 1
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Werden viele Körnchen auf einmal entleert, gelangen größere Mengen Elastase und Lactoferrin in das umliegende Gewebe und in den Darminhalt.

    zu wenig — Bleiben die Körnchen geschlossen, wirken ihre Stoffe nur innerhalb der Zelle, und außen sowie im Stuhl findet sich wenig davon.

    gesicherte Physiologie · Quelle 1

  3. Körnchen entleert → Lactoferrin Lactoferrin ist ein Eiweiß aus der Transferrin-Familie. Es kommt in Muttermilch und Schleimhautsekreten vor und liegt in den Körnchen der Neutrophilen. Im Stuhl bleibt es lange erhalten und ist dort messbar. Quelle 2, 9↓ zehrt Lactoferrin bindet Eisen sehr fest und entzieht es Bakterien, die es zum Wachstum brauchen. Zusätzlich kann es die Hülle mancher Bakterien angreifen; dieser Teil stammt vor allem aus Laborversuchen. in Studien beobachtet Quelle 2
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Gelangen viele Neutrophile in die Darmwand, steigt die Menge Lactoferrin im Darminhalt, und mehr freies Eisen wird dort gebunden.

    zu wenig — Wandern kaum Neutrophile ein, stammt Lactoferrin im Darm vor allem aus Sekreten oder, bei gestillten Säuglingen, aus der Muttermilch.

    gesicherte Physiologie · Quelle 2, 9

    Forschungsfeld — Lactoferrin im Stuhl wird als Marker bei entzündlichen Darmerkrankungen untersucht. Quelle 9

  4. Körnchen entleert → PMN-Elastase Die PMN-Elastase ist ein eiweißspaltendes Enzym (eine Serinprotease) aus den azurophilen Körnchen der Neutrophilen. Sie ist nicht dieselbe wie die Elastase der Bauchspeicheldrüse. Quelle 3↕ beides, je nach Menge In der Zelle zerlegt die Elastase Eiweiße aufgenommener Bakterien. Außerhalb spaltet sie auch Elastin und andere Bausteine des Bindegewebes; wie weit, hängt davon ab, wie viel Hemmstoff bereitsteht. gesicherte Physiologie Quelle 3
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Überwiegt freie Elastase ihre Hemmstoffe, zerlegt sie auch Eiweiße des umliegenden Bindegewebes, und Bruchstücke davon locken weitere Abwehrzellen an.

    zu wenig — Wird wenig Elastase freigesetzt, bauen Neutrophile Eiweiße aufgenommener Bakterien langsamer ab; im Tiermodell ohne das Enzym ist die Abwehr bestimmter Bakterien schwächer.

    in Studien beobachtet · Quelle 3

    Forschungsfeld — Die PMN-Elastase im Stuhl wird als Marker bei entzündlichen Darmerkrankungen untersucht. Quelle 9

  5. Lactoferrin → Eisen festgehalten · Carbonat Jedes Lactoferrin hält zwei Eisen-Ionen, jedes zusammen mit einem Carbonat-Ion. Die Bindung hält auch in saurer Umgebung, in der Transferrin sein Eisen schon abgibt. Quelle 2↓ zehrt Fest gebundenes Eisen steht Mikroben nicht mehr zur Verfügung. Bakterien, die viel Eisen brauchen, wachsen dann langsamer; Arten mit eigenen Eisenfängern kommen besser zurecht. in Studien beobachtet Quelle 2
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Ist viel Lactoferrin ohne Eisen vorhanden, bindet es freies Eisen rasch, und für Mikroben in der Umgebung bleibt wenig übrig.

    zu wenig — Ist wenig Lactoferrin da oder ist es schon mit Eisen gesättigt, bleibt mehr Eisen frei und für Mikroben verfügbar.

    in Studien beobachtet · Quelle 2

  6. PMN-Elastase → Eiweiße zerlegt Die Elastase schneidet Eiweißketten an bestimmten Stellen. Ihre Bruchstücke werden weiter abgebaut; die Elastase selbst gelangt mit dem Darminhalt in den Stuhl, wo sie gemessen wird. Quelle 3, 9↓ zehrt Das Zerlegen räumt Bakterienreste und geschädigte Gewebeteile ab. Bruchstücke von Elastin und veränderte Botenstoffe wirken dabei ihrerseits als Signal für weitere Abwehrzellen. in Studien beobachtet Quelle 3
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Zerlegt die Elastase lange und viel, entstehen mehr Bruchstücke, die weitere Abwehrzellen anlocken; die Reaktion hält sich so länger.

    zu wenig — Wird wenig zerlegt, bleiben Bakterienreste und abgestorbene Zellteile länger liegen und werden auf anderen Wegen beseitigt.

    in Studien beobachtet · Quelle 3

  7. α-1-Antitrypsin → α1-AT im Stuhl Tritt Bluteiweiß durch die Darmschleimhaut aus, gelangt α-1-Antitrypsin mit. Verdauungsenzyme zerlegen es kaum, daher erscheint es im Stuhl weitgehend unverändert. Quelle 7↓ zehrt Im Stuhl zeigt α-1-Antitrypsin, wie viel Eiweiß aus dem Blut über die Darmwand verloren geht. Weil es den Verdauungsenzymen standhält, steht es stellvertretend für andere Bluteiweiße. gesicherte Physiologie Quelle 7
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Ist die Schleimhaut durchlässiger oder gereizt, treten mehr Bluteiweiße aus, und mehr α-1-Antitrypsin gelangt in den Stuhl; auch Blut im Darminhalt hebt die Menge.

    zu wenig — Ist die Schleimhaut dicht, tritt kaum Bluteiweiß über, und im Stuhl findet sich wenig α-1-Antitrypsin. Über die Bildung in der Leber sagt der Stuhlwert nichts.

    gesicherte Physiologie · Quelle 7

  8. Eosinophile → EPX EPX, auch EDN (eosinophil-derived neurotoxin), ist ein Eiweiß aus den Körnchen der Eosinophilen. Aktivierte Zellen geben es ab; mit dem Darminhalt gelangt es in den Stuhl und ist dort messbar. Quelle 5, 10↕ beides, je nach Menge EPX baut RNA ab und wirkt so gegen manche Viren; zudem lockt es dendritische Zellen an. In größerer Menge greift es auch umliegende Zellen an. Vieles davon stammt aus Laborversuchen. in Studien beobachtet Quelle 5
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Werden viele Eosinophile aktiviert, sammelt sich EPX im Gewebe und im Darminhalt; in Laborversuchen schädigt es dann auch Zellen der Umgebung.

    zu wenig — Wird wenig EPX freigesetzt, bleibt sein Abbau von Virus-RNA gering, und im Stuhl findet sich kaum etwas davon.

    in Studien beobachtet · Quelle 5, 10

    Forschungsfeld — Eiweiße der Eosinophilen im Stuhl werden bei entzündlichen Darmerkrankungen untersucht. Quelle 10

  9. EPX → RNA abgebaut EPX gehört zur Familie der Ribonukleasen (RNase 2). Es zerschneidet RNA, also das Erbgut mancher Viren und die Abschriften, nach denen Zellen ihre Eiweiße bauen. Quelle 5↓ zehrt Durch den Abbau von RNA können Viren mit RNA-Erbgut, etwa das RS-Virus, ihre Fähigkeit verlieren, Zellen zu befallen; gezeigt wurde das in Laborversuchen. in Studien beobachtet Quelle 5
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Ist viel EPX aktiv, wird auch RNA in Zellen der Umgebung abgebaut; in Laborversuchen wirkt es so auf Nervenzellen giftig, daher der Name Neurotoxin.

    zu wenig — Ist wenig EPX vorhanden, bleibt RNA in der Umgebung weitgehend unberührt, und der Beitrag der Eosinophilen zur Virusabwehr fällt geringer aus.

    in Studien beobachtet · Quelle 5

Weitere Stationen

Cofaktoren dieses Weges

Quellen

  1. Borregaard N, Sørensen OE, Theilgaard-Mönch K. Neutrophil granules: a library of innate immunity proteins. Trends Immunol 2007 · PubMed 17627888
  2. González-Chávez SA, Arévalo-Gallegos S, Rascón-Cruz Q. Lactoferrin: structure, function and applications. Int J Antimicrob Agents 2009 · PubMed 18842395
  3. Korkmaz B, Horwitz MS, Jenne DE et al. Neutrophil elastase, proteinase 3, and cathepsin G as therapeutic targets in human diseases. Pharmacol Rev 2010 · PubMed 21079042
  4. Janciauskiene SM, Bals R, Koczulla R et al. The discovery of α1-antitrypsin and its role in health and disease. Respir Med 2011 · PubMed 21367592
  5. Acharya KR, Ackerman SJ. Eosinophil granule proteins: form and function. J Biol Chem 2014 · PubMed 24802755
  6. Kolaczkowska E, Kubes P. Neutrophil recruitment and function in health and inflammation. Nat Rev Immunol 2013 · PubMed 23435331
  7. Umar SB, DiBaise JK. Protein-losing enteropathy: case illustrations and clinical review. Am J Gastroenterol 2010 · PubMed 19789526
  8. Rothenberg ME, Mishra A, Brandt EB et al. Gastrointestinal eosinophils. Immunol Rev 2001 · PubMed 11292017
  9. Siddiqui I, Majid H, Abid S. Update on clinical and research application of fecal biomarkers for gastrointestinal diseases. World J Gastrointest Pharmacol Ther 2017 · PubMed 28217373
  10. Peterson CG, Sangfelt P, Wagner M et al. Fecal levels of leukocyte markers reflect disease activity in patients with ulcerative colitis. Scand J Clin Lab Invest 2007 · PubMed 18034391

Ganzer Weg: Granulozyten in der Darmwand

Verwandte Wege

Stand 2026-10-05. Entwurf, von Claude nach Schema v2 geschrieben; Quellen in PubMed geprüft; fachliche Freigabe offen
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