Calprotectin: der Weg im Körper
Diese Seite zeigt den biochemischen Weg hinter dem Laborwert Calprotectin (Stuhl): welche Stationen aufeinander folgen, welche Enzyme den Schritt machen und welche Cofaktoren sie dafür brauchen. Jede Aussage hat eine Quelle. Die Seite beschreibt allgemeines Lehrbuchwissen und sagt nichts über einen einzelnen Menschen.
Kurz erklärt
Calprotectin ist ein Eiweiß aus zwei Bausteinen, S100A8 und S100A9. Es liegt in großer Menge in neutrophilen Granulozyten und bindet außerhalb der Zelle Metall-Ionen wie Zink und Mangan.
9 Stationen · 4 QuellenGrafik seitlich wischen
Der Weg Schritt für Schritt
- Neutrophile → Calprotectin im Zytosol · Calcium Im Inneren dieser Zellen liegt Calprotectin in großer Menge vor. Es besteht aus den Proteinen S100A8 und S100A9, die sich paarweise zusammenlagern; Calcium stabilisiert das Paar. Quelle 1, 2
- Calprotectin im Zytosol → Wanderung ins Gewebe · Botenstoffe Botenstoffe aus dem Gewebe lassen Neutrophile an der Gefäßwand haften. Sie zwängen sich zwischen den Zellen hindurch und wandern zum Ort der Entzündung, etwa in die Darmwand. Quelle 4
- Wanderung ins Gewebe → Freisetzung Bei starker Aktivierung und beim Zerfall der Zelle gelangt Calprotectin nach außen. Auch die Netze aus DNA, die Neutrophile ausschleudern, tragen es mit sich. Quelle 1, 4
- Freisetzung → Im Darminhalt Gelangt Calprotectin in den Darm, bleibt es dort längere Zeit erhalten, weil Verdauungsenzyme es nur langsam zerlegen. Deshalb lässt es sich im Stuhl bestimmen. Quelle 1
- Calprotectin außen → Zink und Mangan fest · Calcium Zwischen den beiden Untereinheiten liegen zwei Bindestellen. Sie greifen Zink und Mangan sehr fest; auch Eisen und Nickel werden dort gebunden. Calcium verstärkt die Bindung. Quelle 2
- Zink und Mangan fest → Metalle knapp Bakterien und Pilze brauchen Zink und Mangan für ihre eigenen Enzyme. Sind die Ionen gebunden, steht ihnen weniger davon zur Verfügung. Dieses Prinzip heißt Nährstoff-Immunität. Quelle 2
- Calprotectin außen → Signal an Immunzellen Calprotectin lagert sich an die Empfänger TLR4 und RAGE an. Die Zelle liest das als Zeichen für geschädigtes Gewebe und bildet daraufhin weitere Botenstoffe. Quelle 3, 1
Cofaktoren dieses Weges
- Calcium — Hält die beiden Untereinheiten zusammen und macht die Bindung von Zink und Mangan fester Quelle 1, 2Im ORY-Katalog als Laborwert: Calcium (intrazellulär)
- Zink — Wird an den beiden Metalltaschen zwischen den Untereinheiten sehr fest gebunden Quelle 2Im ORY-Katalog als Laborwert: Zink
- Mangan — Besetzt zusammen mit Zink die zweite Metalltasche des Calprotectins Quelle 2
- Eisen — Wird an derselben Metalltasche gebunden wie Mangan Quelle 2Im ORY-Katalog als Laborwert: Eisen
- Nickel — Bindet ebenfalls an die Metalltasche zwischen S100A8 und S100A9 Quelle 2
Quellen
- Jukic A, Bakiri L, Wagner EF et al. Calprotectin: from biomarker to biological function. Gut 2021 · PubMed 34145045
- Zygiel EM, Nolan EM. Transition Metal Sequestration by the Host-Defense Protein Calprotectin. Annu Rev Biochem 2018 · PubMed 29925260
- Vogl T, Tenbrock K, Ludwig S et al. Mrp8 and Mrp14 are endogenous activators of Toll-like receptor 4, promoting lethal, endotoxin-induced shock. Nat Med 2007 · PubMed 17767165
- Kolaczkowska E, Kubes P. Neutrophil recruitment and function in health and inflammation. Nat Rev Immunol 2013 · PubMed 23435331
Verwandte Wege
- Histamin — freisetzung
- Vitamin D — Calcium (intrazellulär), Zink
- 8-OHdG — Zink, Eisen
- Borrelien — Zink, Eisen
- Cortisol — Zink, Eisen
Stand 2026-09-16. Entwurf, von Claude nach Schema v2 geschrieben; Quellen in PubMed geprüft; fachliche Freigabe offen
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