Transglutaminase-6-Antikörper (anti-TG6): der Weg im Körper
Transglutaminase-6-Antikörper (anti-TG6) ist Teil des Weges „Gluten-Antikörper“. Diese Seite zeigt den ganzen Weg; die Station von Transglutaminase-6-Antikörper (anti-TG6) ist hervorgehoben.
Hier steht dieser Laborwert: Anti-TG3 und Anti-TG6 — Antikörper gegen Verwandte. TG3 sitzt vor allem in der Oberhaut, TG6 in Nervenzellen; beide sind mit der Transglutaminase 2 verwandt. Bei einem Teil der Menschen mit einer Immunantwort gegen Gluten entstehen zusätzlich Antikörper gegen diese Enzyme. Quelle 5, 6
Kurz erklärt
Gluten ist ein Gemisch aus Speichereiweißen von Weizen, Roggen und Gerste. Einige seiner Bruchstücke verändert die Transglutaminase 2; sie können eine Immunantwort mit Antikörpern gegen Gliadin und gegen dieses Enzym in Gang setzen. Verändert binden sie fester an HLA-DQ2/DQ8.
11 Stationen · 6 QuellenGrafik seitlich wischen
Der Weg Schritt für Schritt
An jeder Station steht, was der Stoff dort tut. Drei Zeichen: ↑ liefert — baut auf oder stellt bereit · ↓ zehrt — hemmt, verbraucht oder entzieht · ↕ beides, je nach Menge. Dahinter steht, worauf die Aussage beruht: gesicherte Physiologie, in Studien beobachtet oder umstritten. Die Zeichen bewerten nicht; sie benennen die Richtung.
- Gluten in der Nahrung → Lange Bruchstücke Verdauungsenzyme
Magen- und Darmenzyme zerlegen die meisten Eiweiße bis auf einzelne Aminosäuren. An prolinreichen Stellen schneiden sie nicht; dort bleiben längere Bruchstücke übrig. Sie sind lang genug, um T-Zellen vorgezeigt zu werden. Quelle 1↑ liefert Weil Magen- und Darmenzyme an prolinreichen Stellen nicht schneiden, bleiben Bruchstücke lang genug, um später auf HLA-Molekülen vorgezeigt und von T-Zellen erkannt zu werden.
gesicherte Physiologie Quelle 1, 2
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Bleiben viele lange Bruchstücke übrig, liegt im Darminhalt mehr Material vor, das die Darmwand erreichen kann.
zu wenig — Werden die Ketten weitgehend zerlegt, entstehen kaum Stücke, die lang genug für die Bindung an HLA-Moleküle sind.
gesicherte Physiologie · Quelle 1, 2
- Lange Bruchstücke → 33er-Peptid
Ein Bruchstück aus 33 Aminosäuren übersteht die Verdauung nahezu unverändert. Es ist das am besten untersuchte dieser Peptide. Es enthält mehrere Abschnitte, die T-Zellen erkennen. Quelle 1↑ liefert Das 33er-Peptid enthält mehrere sich überlappende Abschnitte, die T-Zellen erkennen, und ist ein bevorzugtes Ziel der Transglutaminase 2. In Versuchen regte es T-Zellen aus der Darmschleimhaut stark an.
in Studien beobachtet Quelle 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Bleibt viel davon erhalten, liegen viele erkennbare Abschnitte in einem Stück vor; in Versuchen regte gerade diese lange Form T-Zellen stark an.
zu wenig — Wird es doch in kleinere Stücke zerlegt, zerfallen die erkennbaren Abschnitte; in Versuchen verlor das Peptid dabei seine Wirkung auf T-Zellen.
in Studien beobachtet · Quelle 1
- 33er-Peptid → Übertritt ins Gewebe
Ein kleiner Teil dieser Bruchstücke gelangt durch die Darmzellen oder zwischen ihnen hindurch in die Schleimhaut darunter. Dort treffen sie auf Enzym und Immunzellen. Quelle 2↑ liefert Erst unter der Darmoberfläche treffen die Bruchstücke auf die Transglutaminase 2 und auf Immunzellen. Der Übertritt verbindet so den Darminhalt mit der Abwehr in der Schleimhaut.
in Studien beobachtet Quelle 2
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Gelangen mehr Bruchstücke ins Gewebe, steht dort mehr Material für das Enzym und die Immunzellen bereit.
zu wenig — Treten kaum Bruchstücke über, bleibt der Weg im Darminhalt stehen, und die Immunzellen der Schleimhaut erhalten wenig davon.
in Studien beobachtet · Quelle 2
- Bruchstück im Gewebe → Umgewandeltes Peptid Transglutaminase 2 · Calcium
Das Enzym wandelt einzelne Glutamin-Bausteine in Glutaminsäure um. Diesen Vorgang nennt man Deamidierung; das Bruchstück trägt danach negative Ladungen. So bindet es fester an HLA-DQ2 und DQ8. Quelle 3↑ liefert Die negativen Ladungen lassen das Bruchstück fester an HLA-DQ2 und HLA-DQ8 binden. Erst dadurch wird es für viele der T-Zellen erkennbar, die auf Gluten antworten.
gesicherte Physiologie Quelle 2, 3
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Werden viele Glutamin-Bausteine umgewandelt, liegen mehr fest bindende Bruchstücke vor, und mehr HLA-Moleküle tragen sie an der Zelloberfläche.
zu wenig — Wird kaum umgewandelt, binden die Bruchstücke schwächer an DQ2 und DQ8 und werden den T-Zellen seltener vorgezeigt.
gesicherte Physiologie · Quelle 2, 3
- Umgewandeltes Peptid → Bindung an HLA-DQ2/DQ8 · HLA-DQ2, HLA-DQ8
Zellen des Immunsystems zeigen Bruchstücke auf HLA-Molekülen vor. In die Bindungstasche von DQ2 und DQ8 passen negativ geladene Bruchstücke besonders gut. Ohne DQ2 oder DQ8 finden sie kaum Halt. Quelle 2↑ liefert Die HLA-Moleküle halten das Bruchstück an der Zelloberfläche fest und zeigen es T-Zellen vor. Ohne DQ2 oder DQ8 bindet es kaum, und der Weg bricht an dieser Stelle ab.
gesicherte Physiologie Quelle 2
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Tragen Zellen viele DQ2- oder DQ8-Moleküle mit gebundenem Bruchstück, treffen die passenden T-Zellen häufiger auf ihr Ziel.
zu wenig — Fehlen DQ2 und DQ8, finden die Bruchstücke kaum eine passende Bindungstasche, und den T-Zellen wird wenig davon vorgezeigt.
gesicherte Physiologie · Quelle 2
- Bindung an HLA-DQ2/DQ8 → T-Zellen erkennen es
Bestimmte T-Zellen erkennen genau diese Kombination aus HLA-Molekül und verändertem Bruchstück. Sie werden dadurch aktiv und teilen sich. Danach helfen sie B-Zellen bei der Bildung von Antikörpern. Quelle 2↑ liefert Die aktiven T-Zellen geben Botenstoffe in die Schleimhaut ab und helfen B-Zellen, die dasselbe Bruchstück erkennen, bei der Bildung von Antikörpern.
gesicherte Physiologie Quelle 2
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Werden viele dieser T-Zellen aktiv, geben sie mehr Botenstoffe in die Schleimhaut ab, und mehr B-Zellen erhalten ihre Hilfe.
zu wenig — Werden kaum T-Zellen aktiv, bleibt das Hilfssignal für die B-Zellen aus, und es bilden sich wenig Antikörper gegen Gliadin und die Transglutaminase 2.
gesicherte Physiologie · Quelle 2, 3
- T-Zellen erkennen es → B-Zellen werden aktiv
Die T-Zellen geben Signale an B-Zellen weiter. Aktiv werden dabei B-Zellen, die das Bruchstück selbst erkennen, und solche, die das Enzym daneben erkennen. B-Zellen gegen das Enzym nehmen es samt Bruchstück auf. Quelle 3, 4↑ liefert B-Zellen, die das Enzym erkennen, nehmen es mitsamt dem angehängten Bruchstück auf. So erhalten sie Hilfe von T-Zellen, die Gluten erkennen, obwohl das Enzym körpereigen ist.
in Studien beobachtet Quelle 2, 3
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Entstehen viele Verbindungen aus Enzym und Bruchstück, können mehr B-Zellen gegen das Enzym diese Hilfe erhalten.
zu wenig — Kommen keine Gluten-Bruchstücke mehr nach, erhalten die B-Zellen gegen das Enzym keine Hilfe mehr, und ihre Antwort lässt mit der Zeit nach.
in Studien beobachtet · Quelle 2, 3, 4
- B-Zellen werden aktiv → Antikörper im Blut
Die B-Zellen bilden Antikörper: gegen Gliadin (AGA) und gegen die körpereigene Transglutaminase 2 (anti-TG2). Beide lassen sich im Blut messen. Anti-TG2 bindet auch an das Enzym in der Schleimhaut. Quelle 3, 4↓ zehrt Antikörper gegen die Transglutaminase 2 lagern sich auch in der Darmschleimhaut an das Enzym an und besetzen es. In Zellkultur veränderten sie seine Aktivität; ob sie im Körper selbst etwas bewirken, ist offen.
umstritten Quelle 3
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Bilden sich viele Antikörper, ist mehr Transglutaminase 2 im Gewebe von ihnen besetzt; was das für die Arbeit des Enzyms heißt, beschreiben Studien uneinheitlich.
zu wenig — Bilden sich wenig Antikörper, bleibt das Enzym in der Schleimhaut weitgehend frei, und im Blut finden sich kaum Antikörper gegen Gliadin und die Transglutaminase 2.
umstritten · Quelle 3
- Antikörper im Blut → Anti-TG3 und Anti-TG6
TG3 sitzt vor allem in der Oberhaut, TG6 in Nervenzellen; beide sind mit der Transglutaminase 2 verwandt. Bei einem Teil der Menschen mit einer Immunantwort gegen Gluten entstehen zusätzlich Antikörper gegen diese Enzyme. Quelle 5, 6↓ zehrt Die Antikörper binden an TG3 in der Haut oder an TG6 im Nervengewebe. In Hautproben fanden sich TG3 und IgA gemeinsam abgelagert; ob die Bindung die Enzyme in ihrer Arbeit hemmt, ist offen.
in Studien beobachtet Quelle 5, 6
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Bilden sich viele dieser Antikörper, lagern sich in Studien mehr Komplexe aus Antikörper und Enzym im Gewebe ab, etwa in den oberen Schichten der Haut.
zu wenig — Bilden sich keine dieser Antikörper, bleiben TG3 und TG6 in Haut und Nervengewebe unbesetzt; die Antwort gegen die Transglutaminase 2 kann trotzdem bestehen.
in Studien beobachtet · Quelle 5, 6
Weitere Stationen
- Gluten in der Nahrung — Weizen, Roggen, Gerste
Gluten ist ein Gemisch aus Speichereiweißen des Korns. Seine Ketten enthalten auffällig viel Prolin und Glutamin. Das macht es schwer verdaulich. Quelle 1↑ liefert Gluten liefert das Ausgangsmaterial des ganzen Wegs: Der hohe Anteil an Prolin macht seine Ketten schwer spaltbar, der hohe Anteil an Glutamin macht sie zum Ziel der Transglutaminase 2.
gesicherte Physiologie Quelle 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Kommt viel Gluten an, bleiben mehr prolinreiche Bruchstücke übrig, die weiter in den Darm gelangen und dort auf die Darmwand treffen.
zu wenig — Kommt wenig Gluten an, entstehen kaum solche Bruchstücke, und die folgenden Schritte erhalten wenig Ausgangsmaterial.
gesicherte Physiologie · Quelle 1, 2
- Bruchstück im Gewebe — trifft auf ein Enzym
In der Schleimhaut trifft das Bruchstück auf die Transglutaminase 2, ein Enzym, das dort im Gewebe vorkommt und Eiweiße miteinander verknüpft. Dafür braucht es Calcium. Quelle 2, 3↑ liefert Die Transglutaminase 2 hängt Gluten-Bruchstücke an andere Eiweiße, auch an sich selbst, oder wandelt ihr Glutamin um. Dafür braucht sie Calcium; ohne Calcium bleibt sie in einer untätigen Form.
gesicherte Physiologie Quelle 3, 2
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Ist viel aktives Enzym in der Schleimhaut, werden mehr Bruchstücke umgewandelt oder an das Enzym selbst gebunden.
zu wenig — Bleibt das Enzym in seiner untätigen Form, werden die Bruchstücke kaum umgewandelt und passen schlechter in die Bindungstasche von DQ2 und DQ8.
gesicherte Physiologie · Quelle 3, 2
Cofaktoren dieses Weges
- Calcium — Aktiviert die Transglutaminase 2, die Glutamin in Gluten-Bruchstücken deamidiert; ohne Calcium bleibt sie untätig Quelle 3Im ORY-Katalog als Laborwert: Calcium (intrazellulär)
- Glutamin — Häufiger Baustein des Glutens und Angriffsstelle der Deamidierung; danach bindet das Bruchstück fester an HLA Quelle 1, 3Im ORY-Katalog als Laborwert: Glutamin
- Glutamat (Glutaminsäure) — Entsteht bei der Deamidierung aus Glutamin und trägt die negative Ladung, die das Bruchstück an HLA-DQ2/DQ8 bindet Quelle 3Im ORY-Katalog als Laborwert: Glutamat
- Prolin — Häufiger Baustein des Glutens; an prolinreichen Stellen schneiden Verdauungsenzyme nicht; so bleiben lange Bruchstücke Quelle 1
Quellen
- Shan L, Molberg O, Parrot I et al. Structural basis for gluten intolerance in celiac sprue. Science 2002 · PubMed 12351792
- Sollid LM, Jabri B. Triggers and drivers of autoimmunity: lessons from coeliac disease. Nat Rev Immunol 2013 · PubMed 23493116
- Rauhavirta T, Hietikko M, Salmi T et al. Transglutaminase 2 and Transglutaminase 2 Autoantibodies in Celiac Disease: a Review. Clin Rev Allergy Immunol 2019 · PubMed 27263022
- Lindfors K, Ciacci C, Kurppa K et al. Coeliac disease. Nat Rev Dis Primers 2019 · PubMed 30631077
- Sárdy M, Kárpáti S, Merkl B et al. Epidermal transglutaminase (TGase 3) is the autoantigen of dermatitis herpetiformis. J Exp Med 2002 · PubMed 11901200
- Hadjivassiliou M, Aeschlimann P, Strigun A et al. Autoantibodies in gluten ataxia recognize a novel neuronal transglutaminase. Ann Neurol 2008 · PubMed 18825674
Verwandte Wege
- Gerinnung und D-Dimere — Glutamin, Glutamat
- Magnesium — Calcium (intrazellulär), Glutamat
Stand 2026-09-16. Entwurf, von Claude nach Schema v2 geschrieben; Quellen in PubMed geprüft; fachliche Freigabe offen
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