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Bisoprolol: der Weg im Körper

Bisoprolol ist Teil des Weges „Bisoprolol“. Diese Seite zeigt den ganzen Weg; die Station von Bisoprolol ist hervorgehoben.

Hier steht dieser Laborwert: Bisoprolol — Tablette zum Schlucken. Bisoprolol wird als Tablette geschluckt. Anders als manche anderen Wirkstoffe ist es bereits die Form, die am Rezeptor ansetzt; im Körper muss dafür nichts erst abgespalten werden. Es hält Noradrenalin vom β₁-Rezeptor fern. Quelle 10

Kurz erklärt

Bisoprolol ist ein Betablocker. Es setzt sich in die Bindetasche des β₁-Rezeptors, in der sonst Noradrenalin sitzt. Beide teilen sich dieselbe Tasche: Solange Bisoprolol darin sitzt, läuft die Kette bis zum cAMP langsamer an. Am Herzen schlägt der Takt dann langsamer.

Worum es geht

Der β₁-Rezeptor sitzt nicht nur am Herzen. Überall, wo er sitzt, läuft dieselbe Kette ab:

Bisoprolol besetzt die Bindetasche des β₁-Rezeptors. Besetzt ist die Bindetasche, verändert ist der Rezeptor nicht: Dieselbe Kette läuft an beiden Orten langsamer an, und Noradrenalin bewirbt sich weiter um dieselbe Stelle. Für Betablocker ist eine geringere nächtliche Melatonin-Abgabe beschrieben: In einer Studie an gesunden Freiwilligen senkten nur die beta-blockierenden Formen von Propranolol und Atenolol das nächtlich ausgeschiedene Abbauprodukt des Melatonins. In einem späteren Vergleich dreier Wirkstoffe fiel die nächtliche Melatonin-Abgabe unter Bisoprolol geringer aus, unter Carvedilol und Nebivolol nicht.

Was das im Einzelfall bedeutet, hängt von vielen Dingen ab und gehört in ein Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Heilpraktikerin.

Quelle 1, 3, 4, 5, 6, 7, 10

14 Stationen · 11 Quellen
ORYWeg des WirkstoffsWirkung am β₁-RezeptorAdenylatcyclaseGs-ProteinMg-ATPAdenylatcyclaseGs-ProteinMg-ATPPKA und CREBAANATAcetyl-CoAASMTSAMTPH, dann AADCEisen und BH4Vit. B6 (PLP)besetzt die Bindetaschelässt weniger cAMP entstehenlässt weniger cAMP entstehenAusgangsstoffBisoprololTablette zum SchluckenAufnahme im DünndarmÜbertritt ins BlutIm Blut unterwegswenig an Eiweiß gebundenAusscheidungNiere und Leber je zur HälfteBesetzter β₁-Rezeptorhier sitzt sonst Noradrenalinβ₁ am SinusknotenSchrittmacher des HerzenscAMP und HCN-Kanälegeben den Takt vorβ₁ an der Zirbeldrüsenachts vom Nerv angesteuertcAMP im Pinealozytendieselbe Kette wie am HerzenAANATEnzym mit Tag-Nacht-GangN-Acetylserotoninaus SerotoninMelatoninverlässt die ZirbeldrüseTryptophanAminosäure aus der NahrungSerotonin5-Hydroxytryptamin

Grafik seitlich wischen

Der Weg Schritt für Schritt

An jeder Station steht, was der Stoff dort tut. Drei Zeichen: ↑ liefert — baut auf oder stellt bereit · ↓ zehrt — hemmt, verbraucht oder entzieht · ↕ beides, je nach Menge. Dahinter steht, worauf die Aussage beruht: gesicherte Physiologie, in Studien beobachtet oder umstritten. Die Zeichen bewerten nicht; sie benennen die Richtung.

  1. Bisoprolol → Aufnahme im Dünndarm Aus dem Dünndarm tritt der Stoff ins Blut über. Die Fachinformation nennt für den aufgenommenen Anteil rund vier Fünftel der geschluckten Menge und hält fest, dass Essen daran nichts ändert. Die Leber fängt beim ersten Durchgang wenig ab. Quelle 10↑ liefert Der größte Teil des Wirkstoffs tritt ins Blut über. Die Leber fängt beim ersten Durchgang nur wenig davon ab, sodass fast alles Aufgenommene den Kreislauf erreicht. gesicherte Physiologie Quelle 10
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Tritt viel Wirkstoff ins Blut über, steigt die Menge dort an, bis Niere und Leber in derselben Zeit ebenso viel entfernen, wie hinzukommt.

    zu wenig — Tritt wenig Wirkstoff ins Blut über, bleibt die Menge dort gering, und an den Rezeptoren kommt wenig Bisoprolol an.

    gesicherte Physiologie · Quelle 10

  2. Aufnahme im Dünndarm → Im Blut unterwegs Im Blut ist nur ein kleiner Teil an Eiweiß gebunden; der Rest liegt frei vor und erreicht die Gewebe. β₁-Rezeptoren sitzen unter anderem am Herzen und an der Zirbeldrüse. Frei liegt es für die Rezeptoren bereit. Quelle 10, 4↑ liefert Weil wenig an Eiweiß gebunden ist, steht fast der ganze Wirkstoff frei für die Rezeptoren bereit. Er verteilt sich aus dem Blut in die Gewebe. gesicherte Physiologie Quelle 10
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Liegt viel freier Wirkstoff vor, erreicht er β₁-Rezeptoren in vielen Geweben zugleich, am Herzen ebenso wie an der Zirbeldrüse.

    zu wenig — Liegt wenig freier Wirkstoff vor, ist an Herz und Zirbeldrüse nur ein kleiner Teil der β₁-Rezeptoren besetzt.

    gesicherte Physiologie · Quelle 10, 4

  3. Im Blut unterwegs → Ausscheidung Etwa die Hälfte verlässt den Körper unverändert über den Harn, die andere Hälfte wird in der Leber zu unwirksamen Abbauprodukten umgebaut. Das Enzym CYP2D6 ist daran nicht beteiligt. Ist ein Weg verlangsamt, bleibt es länger im Blut. Quelle 10↓ zehrt Niere und Leber entziehen dem Blut den Wirkstoff auf zwei Wegen nebeneinander. Wie schnell beide arbeiten, bestimmt, wie lange Bisoprolol an den Rezeptoren bleibt. gesicherte Physiologie Quelle 10
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Arbeiten Niere und Leber zügig, sinkt die Menge im Blut rascher, und die Rezeptoren werden früher wieder frei.

    zu wenig — Arbeiten Niere oder Leber langsamer, verweilt Bisoprolol länger im Blut, und seine Menge dort liegt höher.

    gesicherte Physiologie · Quelle 10

  4. β₁ am Sinusknoten → cAMP und HCN-Kanäle Adenylatcyclase · Gs-Protein, Mg-ATP Die Adenylatcyclase macht aus ATP den Botenstoff cAMP. cAMP bindet unmittelbar an die HCN-Kanäle des Sinusknotens; je mehr davon gebunden ist, desto rascher folgt der nächste Schlag. Wenig cAMP verlangsamt den Takt. Quelle 3↑ liefert cAMP lässt die HCN-Kanäle früher öffnen. Der Schrittmacherstrom setzt eher ein, die Zelle erreicht die Schwelle für den nächsten Schlag rascher, und das Herz schlägt schneller. gesicherte Physiologie Quelle 3
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Ist viel cAMP an den HCN-Kanälen gebunden, öffnen sie früher in der Pause zwischen zwei Schlägen; die Pausen werden kürzer, und der Takt steigt.

    zu wenig — Ist wenig cAMP gebunden, öffnen die Kanäle später, der Schrittmacherstrom baut sich langsamer auf, und der Herzschlag wird langsamer.

    gesicherte Physiologie · Quelle 3

  5. β₁ an der Zirbeldrüse → cAMP im Pinealozyten Adenylatcyclase · Gs-Protein, Mg-ATP Auch hier schaltet das Gs-Protein die Adenylatcyclase an, und es entsteht cAMP. Die α₁-Rezeptoren wirken dabei mit, tragen den Anstieg aber nicht allein. Es schaltet die Proteinkinase A an. Quelle 4, 1↑ liefert cAMP trägt das nächtliche Signal ins Zellinnere weiter und schaltet die Proteinkinase A an. Von seiner Menge hängt ab, wie stark die Zelle auf das Noradrenalin antwortet. gesicherte Physiologie Quelle 4
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Entsteht viel cAMP, wird viel Proteinkinase A aktiv, und die Zelle bildet viel AANAT.

    zu wenig — Entsteht wenig cAMP, bleibt die Kinase wenig aktiv, und der nächtliche Anstieg der AANAT fällt kleiner aus.

    gesicherte Physiologie · Quelle 4

  6. cAMP im Pinealozyten → AANAT PKA und CREB cAMP schaltet die Proteinkinase A an, diese den Regler CREB. Daraufhin nimmt die Menge des Enzyms AANAT in der Nacht zu. Wegen dieses Gangs trägt es den Beinamen Timezyme. Ihre Menge ist der Engpass der Melatoninbildung. Quelle 4, 5↑ liefert AANAT ist der Engpass der Melatoninbildung: Ihre Menge bestimmt, wie viel Serotonin nachts zu N-Acetylserotonin wird. cAMP bewahrt das Enzym zudem vor raschem Abbau. gesicherte Physiologie Quelle 4, 5
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Ist viel AANAT vorhanden, wird ein großer Teil des Serotonins der Zirbeldrüse acetyliert, und Serotonin in der Drüse nimmt nachts ab.

    zu wenig — Ist wenig AANAT vorhanden, etwa am Tag oder nach Licht in der Nacht, bleibt Serotonin in der Drüse liegen, und kaum Melatonin entsteht.

    gesicherte Physiologie · Quelle 5

  7. AANAT → N-Acetylserotonin AANAT · Acetyl-CoA Die AANAT hängt eine Acetylgruppe von Acetyl-CoA an Serotonin. Wie viel AANAT gerade vorhanden ist, bestimmt, wie viel N-Acetylserotonin in der Nacht entsteht. Die ASMT macht daraus Melatonin. Quelle 5↑ liefert N-Acetylserotonin ist die unmittelbare Vorstufe des Melatonins. Die ASMT setzt es mit einer Methylgruppe von SAM um. gesicherte Physiologie Quelle 5, 4
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Entsteht viel N-Acetylserotonin, kann die ASMT zum begrenzenden Schritt werden und mitbestimmen, wie viel Melatonin in der Nacht entsteht.

    zu wenig — Entsteht wenig N-Acetylserotonin, hat die ASMT wenig Ausgangsstoff, und es wird wenig Melatonin gebildet.

    in Studien beobachtet · Quelle 4

  8. N-Acetylserotonin → Melatonin ASMT · SAM Das Enzym ASMT überträgt eine Methylgruppe von SAM auf N-Acetylserotonin. Melatonin verlässt die Zirbeldrüse und verteilt sich über das Blut im Körper. Es steigt in der Dunkelheit und fällt am Tag. Quelle 4, 5↑ liefert Melatonin trägt die Nachricht „Nacht“ in den Körper: Seine Menge im Blut steigt in der Dunkelheit und fällt am Tag, und Gewebe mit Melatonin-Rezeptoren lesen daran die Tageszeit ab. gesicherte Physiologie Quelle 4
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Liegt viel Melatonin vor, ist das Nachtsignal kräftig; die Leber baut es rasch ab, sodass die Menge mit dem Ende der Bildung schnell fällt.

    zu wenig — Fällt der nächtliche Anstieg klein aus, ist das Signal „Nacht“ schwächer; unter Betablockern ist eine geringere nächtliche Abgabe beschrieben.

    in Studien beobachtet · Quelle 4, 6

  9. Tryptophan → Serotonin TPH, dann AADC · Eisen und BH4, Vit. B6 (PLP) Zwei Enzyme führen dorthin: Die Tryptophan-Hydroxylase mit Eisen und BH4 hängt eine OH-Gruppe an, dann nimmt die AADC mit Pyridoxalphosphat eine Carboxylgruppe ab. Nachts wird es in der Zirbeldrüse zu Melatonin umgebaut. Quelle 8, 9↑ liefert Serotonin ist in der Zirbeldrüse der Ausgangsstoff der AANAT. Tagsüber liegt es dort in großer Menge vor, nachts wird ein großer Teil zu Melatonin umgebaut. gesicherte Physiologie Quelle 5, 8
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Liegt viel Serotonin vor, ist die AANAT nachts gut mit Ausgangsstoff versorgt; die Menge des Melatonins bestimmt dann das Enzym, nicht der Vorrat.

    zu wenig — Liegt wenig Serotonin vor, etwa weil wenig Tryptophan oder Pyridoxalphosphat bereitsteht, entsteht nachts auch weniger N-Acetylserotonin.

    gesicherte Physiologie · Quelle 5, 9

Weitere Stationen

Was am β₁-Rezeptor hängt

Was an diesen Schritten beteiligt ist

Was die Fachinformation nennt

Zwei Studien in den Vereinigten Staaten mit Scheinpräparat. Aufgeführt ist die Teilgruppe im üblichen Mengenbereich: 273 Erwachsene unter Bisoprolol, 132 unter dem Scheinpräparat. Genannt sind die Ereignisse, die bei mindestens 1 von 100 Teilnehmern der Bisoprolol-Gruppe auftraten — unabhängig davon, ob ein Zusammenhang mit dem Wirkstoff angenommen wurde. Die Zahlen gelten für diese Studien.

So liest sich die Tabelle: Entscheidend ist der Vergleich in der Zeile, nicht die einzelne Zahl. Bei Kopfschmerz, Schwindel, Husten und Schlaflosigkeit liegt die Zahl unter dem Scheinpräparat höher als unter Bisoprolol. Deutlich auseinander gehen die beiden Spalten nur bei der Müdigkeit. Eine dritte Spalte mit einem anderen Arzneimittel gibt es hier nicht — diese Fachinformation vergleicht allein gegen das Scheinpräparat.

Bisoprolol (273)Scheinpräparat (132)
Kopfschmerz8,8 %11,4 %
Müdigkeit6,6 %1,5 %
Infekt der oberen Atemwege4,8 %3,8 %
Wassereinlagerung3,7 %3,8 %
Schwindel2,9 %3,8 %
Schnupfen2,9 %3,0 %
Durchfall2,6 %1,5 %
Husten2,6 %4,5 %
Gelenkschmerz2,2 %2,3 %
Rachenentzündung2,2 %2,3 %
Nasennebenhöhlenentzündung2,2 %1,5 %
Übelkeit1,5 %1,5 %
Schlaflosigkeit1,5 %2,3 %
Erbrechen1,1 %0 %
Missempfindung der Haut1,1 %0,8 %
Atemnot1,1 %0,8 %
Brustschmerz1,1 %0,8 %

In denselben Studien beendeten 3,3 von 100 Teilnehmern unter Bisoprolol die Anwendung wegen eines Ereignisses und 6,8 von 100 unter dem Scheinpräparat. Über alle weltweiten Studien und die Meldungen nach der Zulassung führt die Fachinformation eine lange Liste weiterer Ereignisse auf, darunter Schlafstörungen und lebhafte Träume. Für die Meldungen nach der Zulassung weist sie darauf hin, dass sich daraus weder eine Häufigkeit noch ein ursächlicher Zusammenhang ableiten lässt; deshalb stehen sie hier nicht als Liste.

Quellen

  1. Motiejunaite J, Amar L, Vidal-Petiot E. Adrenergic receptors and cardiovascular effects of catecholamines. Ann Endocrinol (Paris) 2021 · PubMed 32473788
  2. Taddei S, Tsabedze N, Tan RS. β-blockers are not all the same: pharmacologic similarities and differences, potential combinations and clinical implications. Curr Med Res Opin 2024 · PubMed 38597065
  3. DiFrancesco D. The funny current: cellular basis for the control of heart rate. Drugs 2007 · PubMed 17999560
  4. Simonneaux V, Ribelayga C. Generation of the melatonin endocrine message in mammals: a review of the complex regulation of melatonin synthesis by norepinephrine, peptides, and other pineal transmitters. Pharmacol Rev 2003 · PubMed 12773631
  5. Klein DC. Arylalkylamine N-acetyltransferase: "the Timezyme". J Biol Chem 2007 · PubMed 17164235
  6. Stoschitzky K, Sakotnik A, Lercher P et al. Influence of beta-blockers on melatonin release. Eur J Clin Pharmacol 1999 · PubMed 10335905
  7. Stoschitzky K, Stoschitzky G, Brussee H et al. Comparing beta-blocking effects of bisoprolol, carvedilol and nebivolol. Cardiology 2006 · PubMed 16679760
  8. Roberts KM, Fitzpatrick PF. Mechanisms of tryptophan and tyrosine hydroxylase. IUBMB Life 2013 · PubMed 23441081
  9. Paiardini A, Giardina G, Rossignoli G et al. New Insights Emerging from Recent Investigations on Human Group II Pyridoxal 5'-Phosphate Decarboxylases. Curr Med Chem 2017 · PubMed 27881066
  10. US-Fachinformation (Vereinigte Staaten): Bisoprolol Fumarate Tablets, USP, DailyMed, Fassung vom 21.04.2026, Abschnitte DESCRIPTION und CLINICAL PHARMACOLOGY (Pharmacokinetics and Metabolism, Pharmacodynamics) · Fachinformation
  11. US-Fachinformation (Vereinigte Staaten): Bisoprolol Fumarate Tablets, USP, DailyMed, Fassung vom 21.04.2026, Abschnitt ADVERSE REACTIONS · Fachinformation

Ganzer Weg: Bisoprolol

Stand 2026-09-25. Entwurf, von Claude nach Schema v2 geschrieben; Quellen in PubMed geprüft; fachliche Freigabe offen
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