Antiphospholipid-Antikörper (Prothrombin, β2-Glykoprotein I): der Weg im Körper
Antiphospholipid-Antikörper (Prothrombin, β2-Glykoprotein I) ist Teil des Weges „Antiphospholipid-Antikörper“. Diese Seite zeigt den ganzen Weg; die Station von Antiphospholipid-Antikörper (Prothrombin, β2-Glykoprotein I) ist hervorgehoben.
Hier steht dieser Laborwert: Antikörper auf Zellen — Endothel, Monozyten, Plättchen. Die Antikörper-Komplexe binden an Zellen, die Phosphatidylserin oder passende Rezeptoren tragen: Gefäßwand, Monozyten und Blutplättchen. Quelle 1, 2
Kurz erklärt
Antiphospholipid-Antikörper sind Autoantikörper gegen Bluteiweiße, die an Membranfette binden, vor allem β2-Glykoprotein I und Prothrombin. Gebunden vernetzen sie diese Eiweiße auf Zelloberflächen und lösen dort Signale aus, die die Gerinnung anstoßen.
11 Stationen · 6 QuellenGrafik seitlich wischen
Der Weg Schritt für Schritt
An jeder Station steht, was der Stoff dort tut. Drei Zeichen: ↑ liefert — baut auf oder stellt bereit · ↓ zehrt — hemmt, verbraucht oder entzieht · ↕ beides, je nach Menge. Dahinter steht, worauf die Aussage beruht: gesicherte Physiologie, in Studien beobachtet oder umstritten. Die Zeichen bewerten nicht; sie benennen die Richtung.
- Phosphatidylserin → β2GPI an der Membran · β2-Glykoprotein I
β2-Glykoprotein I (β2GPI) kreist meist ringförmig geschlossen im Blut. Legt es sich mit seinem Ende an negativ geladene Flächen, öffnet es sich. Quelle 3, 2↕ beides, je nach Menge β2GPI beteiligt sich an der Feinsteuerung der Gerinnung und an der Beseitigung abgestorbener Zellen; seine genaue Aufgabe ist noch nicht vollständig geklärt.
in Studien beobachtet Quelle 3
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Liegt viel β2GPI geöffnet auf Membranen, wird die Stelle frei, an die Antikörper gegen β2GPI binden.
zu wenig — Liegt wenig auf Membranen, bleibt β2GPI geschlossen, und die Bindestelle der Antikörper bleibt verdeckt.
in Studien beobachtet · Quelle 2, 3
- β2GPI an der Membran → Komplex mit Anti-β2GPI · Anti-β2GPI (IgG)
Antikörper gegen β2GPI binden meist an dessen erste Domäne und verbinden zwei Moleküle miteinander. Der Komplex haftet fester an der Membran. Quelle 2, 1↓ zehrt Der vernetzte Komplex besetzt die Phosphatidylserin-Fläche; in Laborversuchen verdrängt er dabei Annexin A5, das solche Flächen sonst gegen Gerinnungsfaktoren abschirmt.
in Studien beobachtet Quelle 2, 6
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Bilden sich viele Komplexe, binden sie häufiger an Rezeptoren auf Endothelzellen, Monozyten und Blutplättchen.
zu wenig — Bilden sich wenige, bleibt β2GPI überwiegend einzeln, und die Rezeptoren werden kaum angesprochen.
in Studien beobachtet · Quelle 2, 1
- Prothrombin → Prothrombin an PS · Calcium
Mit seinen Gla-Resten und Calcium-Ionen bindet Prothrombin an Phosphatidylserin (PS). Dort wird es zu Thrombin umgewandelt. Quelle 5, 4↑ liefert Auf der Membran liegen Prothrombin und die Enzyme, die es spalten, dicht beieinander; das beschleunigt die Bildung von Thrombin um ein Vielfaches.
gesicherte Physiologie Quelle 5
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Ist viel Prothrombin an PS gebunden, entsteht dort eine Bindestelle, die nur im Komplex vorhanden ist und an die Anti-PS/PT-Antikörper binden.
zu wenig — Fehlt Calcium oder sind die Gla-Reste unvollständig, bindet Prothrombin kaum an die Membran.
in Studien beobachtet · Quelle 4, 5
- Prothrombin an PS → Komplex mit Anti-PS/PT · Anti-PS/PT (IgG)
Antikörper gegen Prothrombin erkennen es allein oder im Komplex mit Phosphatidylserin. Gebunden halten sie Prothrombin an der Membran fest. Quelle 4, 1↕ beides, je nach Menge Gebundene Antikörper können Prothrombin auf der Fläche anreichern; im Gerinnungstest im Labor verlängern sie dagegen oft die Gerinnungszeit.
in Studien beobachtet Quelle 4, 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Bilden sich viele Komplexe, wird mehr Prothrombin auf Membranen gehalten, und der Antikörper wird häufiger zusammen mit anderen Antiphospholipid-Antikörpern gefunden.
zu wenig — Bilden sich wenige, bleibt Prothrombin frei beweglich und folgt dem normalen Ablauf der Gerinnung.
in Studien beobachtet · Quelle 4
- Komplex mit Anti-β2GPI → Antikörper auf Zellen
Die Antikörper-Komplexe binden an Zellen, die Phosphatidylserin oder passende Rezeptoren tragen: Gefäßwand, Monozyten und Blutplättchen. Quelle 1, 2↓ zehrt Auf den Zellen lösen die Komplexe Signale aus und aktivieren das Komplementsystem; beides verschiebt das Gleichgewicht der Gerinnung zur Bildung von Fibrin.
in Studien beobachtet Quelle 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Binden viele Komplexe, werden mehr Zellen aktiviert, und Komplementspaltprodukte locken weitere Abwehrzellen an.
zu wenig — Binden wenige, bleiben die Zellen weitgehend in Ruhe.
in Studien beobachtet · Quelle 1
Forschungsfeld — Antiphospholipid-Antikörper werden bei Störungen der Blutgerinnung und bei Schwangerschaftsverläufen untersucht. Quelle 1, 4
- Komplex mit Anti-PS/PT → Antikörper auf Zellen
Die Antikörper-Komplexe binden an Zellen, die Phosphatidylserin oder passende Rezeptoren tragen: Gefäßwand, Monozyten und Blutplättchen. Quelle 1, 2↓ zehrt Auf den Zellen lösen die Komplexe Signale aus und aktivieren das Komplementsystem; beides verschiebt das Gleichgewicht der Gerinnung zur Bildung von Fibrin.
in Studien beobachtet Quelle 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Binden viele Komplexe, werden mehr Zellen aktiviert, und Komplementspaltprodukte locken weitere Abwehrzellen an.
zu wenig — Binden wenige, bleiben die Zellen weitgehend in Ruhe.
in Studien beobachtet · Quelle 1
Forschungsfeld — Antiphospholipid-Antikörper werden bei Störungen der Blutgerinnung und bei Schwangerschaftsverläufen untersucht. Quelle 1, 4
- Rezeptoren der Zelle → Tissue Factor p38, NF-κB
Tissue Factor ist das Eiweiß, das die Gerinnung startet. Normalerweise sitzt es kaum auf Zellen, die Kontakt zum Blut haben. Quelle 1↑ liefert Tissue Factor bindet Faktor VIIa; dieser Komplex aktiviert Faktor X, der zusammen mit Faktor Va Prothrombin zu Thrombin spaltet.
gesicherte Physiologie Quelle 1, 5
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Tragen viele Zellen Tissue Factor, startet die Gerinnung an mehr Stellen gleichzeitig.
zu wenig — Tragen wenige Zellen Tissue Factor, startet die Gerinnung nur dort, wo eine Gefäßwand verletzt ist.
in Studien beobachtet · Quelle 1
- Tissue Factor → Thrombin Faktor VIIa, Xa
Faktor Xa spaltet Prothrombin auf der Membran zu Thrombin. Thrombin ist das Schlüsselenzym der Gerinnung. Quelle 5↕ beides, je nach Menge Thrombin wandelt Fibrinogen in Fibrin um und aktiviert Blutplättchen; an der intakten Gefäßwand schaltet es zugleich über Protein C die Bremse der Gerinnung ein.
gesicherte Physiologie Quelle 5
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Entsteht viel Thrombin, wird mehr Fibrin gebildet, und Thrombin verstärkt seine eigene Bildung über weitere Gerinnungsfaktoren.
zu wenig — Entsteht wenig Thrombin, bildet sich langsamer Fibrin, und Blutplättchen werden schwächer aktiviert.
gesicherte Physiologie · Quelle 5
- Thrombin → Fibrin · Fibrinogen
Thrombin spaltet Fibrinogen; die entstehenden Fibrinfäden lagern sich zu einem Netz zusammen, das Blutplättchen und Blutzellen festhält. Quelle 5↑ liefert Das Fibrinnetz verschließt verletzte Gefäße; später löst das Enzym Plasmin es wieder auf.
gesicherte Physiologie Quelle 5
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Entsteht viel Fibrin, wächst das Netz über den Ort der Verletzung hinaus, bis Plasmin und Gerinnungshemmer gegensteuern.
zu wenig — Entsteht wenig Fibrin, bleibt das Netz locker, und ein Gefäß wird langsamer verschlossen.
gesicherte Physiologie · Quelle 5
Weitere Stationen
- Phosphatidylserin — außen auf aktivierten Zellen
Phosphatidylserin ist ein negativ geladener Membranbaustein, der normalerweise innen liegt. Aktivierte Blutplättchen und absterbende Zellen kehren ihn nach außen. Quelle 5, 3↑ liefert Nach außen gekehrtes Phosphatidylserin ist die Andockfläche, auf der Gerinnungsfaktoren zusammenkommen und Prothrombin schnell zu Thrombin wird.
gesicherte Physiologie Quelle 5
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Liegt viel Phosphatidylserin außen, binden mehr Gerinnungsfaktoren und β2-Glykoprotein I an diese Flächen.
zu wenig — Liegt wenig außen, finden die Gerinnungsfaktoren kaum eine Fläche, und Thrombin entsteht langsam.
gesicherte Physiologie · Quelle 5, 3
- Prothrombin — Vorstufe von Thrombin
Prothrombin wird in der Leber gebildet und kreist als Vorstufe im Blut. Vitamin K versieht es mit Gla-Resten, die Calcium binden. Quelle 5↑ liefert Prothrombin ist der Vorrat, aus dem bei Bedarf Thrombin entsteht, das Schlüsselenzym der Gerinnung.
gesicherte Physiologie Quelle 5
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Liegt viel Prothrombin vor, kann auf einer aktivierten Fläche rasch mehr Thrombin entstehen.
zu wenig — Liegt wenig vor, entsteht auf derselben Fläche weniger Thrombin.
gesicherte Physiologie · Quelle 5
- Rezeptoren der Zelle — ApoER2, TLR4, Annexin A2
Der vernetzte β2GPI-Komplex bindet an Rezeptoren wie ApoER2, TLR4 und Annexin A2. Im Zellinneren werden daraufhin Signalwege wie p38 und NF-κB aktiv. Quelle 1, 2↑ liefert Die Signale schalten in Endothelzellen und Monozyten Gene für Tissue Factor und Haftmoleküle an und aktivieren Blutplättchen.
in Studien beobachtet Quelle 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Sind viele Rezeptoren besetzt, bilden Endothelzellen und Monozyten mehr Tissue Factor und Haftmoleküle.
zu wenig — Sind wenige besetzt, bleibt die Bildung von Tissue Factor auf dem Ruheniveau.
in Studien beobachtet · Quelle 1
Cofaktoren dieses Weges
- Vitamin K — Bildet an Prothrombin die Gla-Reste, mit denen es über Calcium an Phosphatidylserin bindet Quelle 5
- Calcium — Verbindet die Gla-Reste von Prothrombin mit der Phosphatidylserin-Fläche Quelle 5
- Phosphatidylserin — Negativ geladene Membranfläche, an die β2GPI und Prothrombin binden Quelle 3, 5
- Fibrinogen — Wird von Thrombin zu Fibrin gespalten, das das Netz des Gerinnsels bildet Quelle 5
- Annexin A5 — Schirmt Phosphatidylserin-Flächen gegen Gerinnungsfaktoren ab Quelle 6
Quellen
- Giannakopoulos B, Krilis SA. The pathogenesis of the antiphospholipid syndrome. N Engl J Med 2013 · PubMed 23484830
- de Groot PG, Urbanus RT. The significance of autoantibodies against β2-glycoprotein I. Blood 2012 · PubMed 22553312
- de Groot PG, Meijers JC. β(2) -Glycoprotein I: evolution, structure and function. J Thromb Haemost 2011 · PubMed 21535391
- Sciascia S, Sanna G, Murru V et al. Anti-prothrombin (aPT) and anti-phosphatidylserine/prothrombin (aPS/PT) antibodies and the risk of thrombosis in the antiphospholipid syndrome. A systematic review. Thromb Haemost 2014 · PubMed 24172938
- Krishnaswamy S. The transition of prothrombin to thrombin. J Thromb Haemost 2013 · PubMed 23809130
- Rand JH, Wu XX, Quinn AS, Taatjes DJ. Resistance to annexin A5 anticoagulant activity: a thrombogenic mechanism for the antiphospholipid syndrome. Lupus 2008 · PubMed 18827057
Ganzer Weg: Antiphospholipid-Antikörper
Verwandte Wege
- Gerinnung und D-Dimere — prothrombin
Stand 2026-10-05. Entwurf, von Claude nach Schema v2 geschrieben; Quellen in PubMed geprüft; fachliche Freigabe offen
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