Hydrochlorothiazid: der Weg im Körper
Hydrochlorothiazid ist Teil des Weges „Hydrochlorothiazid“. Diese Seite zeigt den ganzen Weg; die Station von Hydrochlorothiazid ist hervorgehoben.
Hier steht dieser Laborwert: Hydrochlorothiazid — Tablette zum Schlucken. Hydrochlorothiazid wird als Tablette geschluckt. Die Fachinformation ordnet es den Thiaziden zu und beschreibt es als Abkömmling des Chlorothiazids. Es legt den Na-Cl-Mittransporter still, sodass mehr Salz in den Harn geht. Quelle 8
Kurz erklärt
Hydrochlorothiazid ist ein Thiazid. Es wirkt von der Harnseite her und setzt sich im ersten Teil des gewundenen Nierenkanälchens an den Na-Cl-Mittransporter — das Eiweiß, das Natrium und Chlorid gemeinsam aus dem Harn zurückholt. So gehen mehr Natrium und Chlorid in den Harn.
Worum es geht
Die Niere filtert Blut und holt aus dem vorgefilterten Harn zurück, was der Körper behalten soll. Im ersten Teil des gewundenen Kanälchens geschieht das so:
- Der Na-Cl-Mittransporter NCC holt Natrium und Chlorid gemeinsam in die Zelle. Auf der Blutseite gibt die Natrium-Kalium-Pumpe das Natrium ans Blut weiter und hält so das Gefälle aufrecht.
- Was hier nicht zurückgeholt wird, fließt weiter ins Sammelrohr. Dort tritt Natrium über den Kanal ENaC in die Zelle, und im selben Zug gibt die Zelle Kalium in den Harn ab.
- Im selben Abschnitt läuft auch die Feinabstimmung von Calcium und Magnesium, über die Kanäle TRPV5 und TRPM6.
Hydrochlorothiazid setzt sich an den NCC und legt dessen Durchgang still. Natrium und Chlorid werden hier nicht mehr gemeinsam zurückgeholt — die Fachinformation beschreibt, dass beide in etwa gleichen Mengen vermehrt in den Harn gehen, begleitet von einem Verlust an Kalium und Hydrogencarbonat. Für Calcium läuft es umgekehrt: Bei besetztem NCC ist eine stärkere Rückholung beschrieben, anders als bei Schleifendiuretika. Für Magnesium und für Zink ist ein vermehrter Austritt in den Harn beschrieben.
Was das im Einzelfall bedeutet, hängt von vielen Dingen ab und gehört in ein Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Heilpraktikerin.
Grafik seitlich wischen
Der Weg Schritt für Schritt
An jeder Station steht, was der Stoff dort tut. Drei Zeichen: ↑ liefert — baut auf oder stellt bereit · ↓ zehrt — hemmt, verbraucht oder entzieht · ↕ beides, je nach Menge. Dahinter steht, worauf die Aussage beruht: gesicherte Physiologie, in Studien beobachtet oder umstritten. Die Zeichen bewerten nicht; sie benennen die Richtung.
- Hydrochlorothiazid → Übertritt ins Blut
Aus dem Dünndarm tritt der Stoff ins Blut über und erreicht mit dem Blut die Niere. Die Fachinformation gibt an, dass er im Körper nicht umgebaut wird. Was im Blut kreist, ist also schon die wirksame Form. Quelle 8↑ liefert Über das Blut gelangt der Stoff zur Niere. Da der Körper ihn nicht umbaut, ist das, was im Blut kreist, bereits die Form, die später am Transporter wirkt.
gesicherte Physiologie Quelle 8
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Liegt viel Wirkstoff im Blut vor, gibt die Niere entsprechend mehr davon in den Harn ab; einen anderen Weg aus dem Körper nennt die Fachinformation nicht.
zu wenig — Liegt wenig Wirkstoff im Blut vor, erreicht auch wenig davon die Harnseite des Kanälchens, und der NCC bleibt weitgehend frei.
gesicherte Physiologie · Quelle 8, 1
- Übertritt ins Blut → Weiter in den Harn
Die Niere scheidet den Stoff rasch und zum größten Teil unverändert aus. Damit erreicht er das Nierenkanälchen von innen — von der Harnseite her, auf der auch seine Bindestelle liegt. Die Ausscheidung ist so zugleich der Weg zum Wirkort. Quelle 8, 1↑ liefert Erst im Harn erreicht der Stoff seine Bindestelle, denn der NCC sitzt in der dem Harn zugewandten Wand. Die Ausscheidung über die Niere ist damit zugleich der Weg zum Wirkort.
gesicherte Physiologie Quelle 8, 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Gelangt viel Stoff in den Harn des Kanälchens, ist am NCC ein großer Teil der Bindestellen belegt, und mehr Natrium und Chlorid fließen weiter.
zu wenig — Gelangt wenig Stoff in den Harn des Kanälchens, ist am NCC nur ein kleiner Teil der Bindestellen belegt, und die Rückholung läuft weitgehend wie sonst.
gesicherte Physiologie · Quelle 1, 8
- Natrium und Chlorid → In der Kanalzelle NCC · Natrium, Chlorid
Der NCC nimmt je ein Natrium- und ein Chlorid-Teilchen gemeinsam auf; beide gehen nur zusammen durch. Setzt sich Hydrochlorothiazid an, bleibt diese Rückholung aus. Was hereinkommt, bleibt dem Körper erhalten. Quelle 1, 8↑ liefert Das hereingeholte Natrium und Chlorid geht von der Zelle weiter ins Blut und bleibt so dem Körper erhalten. Ist der NCC besetzt, bleibt diese Aufnahme aus.
gesicherte Physiologie Quelle 1, 8
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Holt der NCC viel Natrium herein, bleibt mehr Salz im Körper, und weniger Natrium erreicht das Sammelrohr; dort wird dann auch weniger Kalium abgegeben.
zu wenig — Gelangt wenig Natrium in die Zelle, sinkt dort der Natriumgehalt; in Tiermodellen ist beschrieben, dass die Zelle dann mehr Calcium über TRPV5 und NCX1 aufnimmt.
in Studien beobachtet · Quelle 1, 4, 3
- In der Kanalzelle → Zurück ins Blut Na-K-ATPase · Mg-ATP
Auf der dem Blut zugewandten Seite befördert die Natrium-Kalium-Pumpe Natrium hinaus und Kalium herein. Sie spaltet dafür ATP und hält so das Gefälle, das den NCC arbeiten lässt. Mit wenig ATP flacht das Gefälle ab. Quelle 5, 1↑ liefert Die Pumpe gibt das Natrium ans Blut weiter und hält es in der Zelle niedrig. Aus diesem Gefälle zieht der NCC seine Triebkraft; die Energie dafür stammt aus ATP.
gesicherte Physiologie Quelle 5, 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Arbeitet die Pumpe viel, sinkt das Natrium in der Zelle, und das Gefälle für den NCC wird steiler; zugleich holt sie mehr Kalium in die Zelle.
zu wenig — Steht der Pumpe wenig ATP zur Verfügung, steigt das Natrium in der Zelle, das Gefälle flacht ab, und der NCC holt weniger Natrium und Chlorid herein.
gesicherte Physiologie · Quelle 5, 1
- Natrium und Chlorid → Was übrig bleibt
Was am NCC nicht zurückgeholt wird, fließt weiter. Die Fachinformation sagt dazu, der Stoff lasse Natrium und Chlorid in etwa gleichen Mengen vermehrt in den Harn gehen. Mit dem Salz geht auch Wasser in den Harn. Quelle 8, 1↓ zehrt Was hier weiterfließt, verlässt den Körper größtenteils mit dem Harn. Natrium und Chlorid nehmen dabei Wasser mit; so gehen mehr Salz und Wasser hinaus.
gesicherte Physiologie Quelle 8
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Fließt viel Natrium weiter, erreicht mehr davon das Sammelrohr; dort tauscht die Zelle mehr Natrium gegen Kalium, und mehr Kalium geht in den Harn.
zu wenig — Fließt wenig weiter, weil der NCC frei arbeitet, holt dieser Abschnitt das meiste zurück, und das Sammelrohr erhält wenig Natrium für den Tausch gegen Kalium.
gesicherte Physiologie · Quelle 4, 8, 1
- Was übrig bleibt → Im Sammelrohr ENaC
Im Sammelrohr tritt Natrium über den Kanal ENaC in die Zelle. Wie viel dort ankommt, hängt davon ab, wie viel weiter oben zurückgeholt wurde. Je mehr Natrium hier eintritt, desto mehr Kalium wird abgegeben. Quelle 4↑ liefert Über ENaC holt das Sammelrohr einen Teil des weiterfließenden Natriums zurück. Der Eintritt lädt den Kanalinhalt negativ auf, und dieser Zug treibt Kalium aus der Zelle hinaus.
gesicherte Physiologie Quelle 4
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Strömt viel Natrium über ENaC ein, etwa wenn mehr ankommt oder Aldosteron mehr Kanäle einbaut, wird der Kanalinhalt stärker negativ, und mehr Kalium wird abgegeben.
zu wenig — Strömt wenig Natrium ein, bleibt die negative Ladung im Kanalinhalt schwach, und die Zelle gibt wenig Kalium ab.
gesicherte Physiologie · Quelle 4
- Im Sammelrohr → Kalium in den Harn Na-K-Pumpe · Kalium im Tausch
Tritt Natrium über ENaC ein, gibt die Zelle im selben Zug Kalium in den Harn ab. Die Fachinformation nennt neben dem Natrium-Austritt einen Verlust von Kalium und Hydrogencarbonat. Dieses Kalium verlässt den Körper mit dem Harn. Quelle 4, 8↓ zehrt Das abgegebene Kalium geht mit dem Harn verloren. Je mehr Natrium im Sammelrohr ankommt und je mehr Harn fließt, desto mehr Kalium verlässt den Körper.
gesicherte Physiologie Quelle 4, 8
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Geht viel Kalium in den Harn, sinkt Kalium im Blut; die Niere drosselt dann die Abgabe im Sammelrohr, und Zellen geben Kalium ins Blut ab.
zu wenig — Geht wenig Kalium in den Harn, bleibt mehr im Körper; steigt Kalium im Blut, regt es die Bildung von Aldosteron an, das die Abgabe im Sammelrohr wieder erhöht.
gesicherte Physiologie · Quelle 4
- Calcium im Kanälchen → Mehr Calcium zurück TRPV5, NCX1
Ist der NCC besetzt, ist eine stärkere Rückholung von Calcium beschrieben — anders als bei Schleifendiuretika. Genannt werden zwei Orte dafür: der vordere Abschnitt und das gewundene Kanälchen selbst. Damit geht weniger Calcium in den Harn. Quelle 2, 3↑ liefert Unter Thiaziden geht weniger Calcium in den Harn, mehr davon bleibt im Körper. Als Orte werden eine stärkere Aufnahme im vorderen Abschnitt und im gewundenen Kanälchen selbst diskutiert.
in Studien beobachtet Quelle 2, 3
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Wird viel Calcium zurückgeholt, geht entsprechend weniger mit dem Harn hinaus, und mehr Calcium bleibt im Blut.
zu wenig — Wird wenig zusätzlich zurückgeholt, geht Calcium wie sonst in den Harn; bei Schleifendiuretika geht im Gegenteil mehr Calcium hinaus.
in Studien beobachtet · Quelle 2, 3
- Magnesium am TRPM6 → Magnesium im Harn TRPM6
Unter Thiaziden sind eine geringere Menge an TRPM6 im gewundenen Kanälchen und ein vermehrter Magnesium-Verlust über den Harn beschrieben. Dieses Magnesium verlässt den Körper. Quelle 2, 6↓ zehrt Magnesium im Harn verlässt den Körper. Unter Thiaziden ist weniger TRPM6 im gewundenen Kanälchen beschrieben, sodass mehr Magnesium diesen Weg nimmt.
in Studien beobachtet Quelle 2, 6
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Geht viel Magnesium in den Harn, sinkt mit der Zeit der Vorrat im Körper; Magnesium wird an ATP gebunden für viele Enzyme und die Natrium-Kalium-Pumpe gebraucht.
zu wenig — Geht wenig Magnesium in den Harn, bleibt der Vorrat erhalten; Darm und Knochen gleichen Schwankungen im Blut zusätzlich aus.
gesicherte Physiologie · Quelle 6
Weitere Stationen
- Hydrochlorothiazid — Tablette zum Schlucken
Hydrochlorothiazid wird als Tablette geschluckt. Die Fachinformation ordnet es den Thiaziden zu und beschreibt es als Abkömmling des Chlorothiazids. Es legt den Na-Cl-Mittransporter still, sodass mehr Salz in den Harn geht. Quelle 8↓ zehrt Hydrochlorothiazid hemmt den Na-Cl-Mittransporter im gewundenen Nierenkanälchen. Natrium und Chlorid, die er sonst zurückholt, bleiben im Harn und gehen in etwa gleichen Mengen hinaus.
gesicherte Physiologie Quelle 8, 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Liegt viel Wirkstoff vor, ist ein größerer Teil der NCC-Bindestellen besetzt; sind alle belegt, ändert weiterer Wirkstoff am Transporter nichts mehr.
zu wenig — Liegt wenig Wirkstoff vor, bleiben die meisten NCC frei und holen Natrium und Chlorid wie gewohnt aus dem Harn zurück.
gesicherte Physiologie · Quelle 1, 8
- An der Bindestelle — des Na-Cl-Mittransporters
Der Na-Cl-Mittransporter NCC sitzt in der dem Harn zugewandten Wand der Zelle, im ersten Teil des gewundenen Nierenkanälchens. Thiazide setzen sich an diese Stelle. Besetzt holt er kein Natrium und Chlorid mehr herein. Quelle 1↓ zehrt Besetzt Hydrochlorothiazid die Bindestelle, kann der NCC kein Natrium und Chlorid mehr hereinholen. Das ist der Kern der Wirkung; alle weiteren Schritte der Karte folgen daraus.
gesicherte Physiologie Quelle 1, 8
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Ist viel NCC in der Wand eingebaut und durch angehängtes Phosphat eingeschaltet, holt der Abschnitt mehr Natrium und Chlorid zurück, und der Körper hält mehr Salz.
zu wenig — Ist wenig NCC aktiv, erreicht mehr Natrium und Chlorid das Sammelrohr; dort wird ein Teil davon über ENaC zurückgeholt, im Tausch gegen Kalium.
gesicherte Physiologie · Quelle 1, 4
- Natrium und Chlorid — im Harn des Kanälchens
Im ersten Teil des gewundenen Nierenkanälchens fließt vorgefilterter Harn vorbei. Er führt Natrium und Chlorid mit, die der Körper hier zurückholen kann. Kommt viel Natrium an, holt der NCC mehr davon zurück. Quelle 1↑ liefert Natrium und Chlorid im vorbeifließenden Harn sind das Material, das der NCC zurückholt. Je mehr davon ankommt, desto mehr kann dieser Abschnitt aufnehmen.
gesicherte Physiologie Quelle 1
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Kommt viel Natrium an, nimmt der NCC mehr davon auf, bis er ausgelastet ist; der Rest fließt ins Sammelrohr weiter.
zu wenig — Kommt wenig Natrium an, holt der Abschnitt wenig zurück, und auch ins Sammelrohr gelangt wenig; dort wird dann weniger Kalium im Tausch abgegeben.
gesicherte Physiologie · Quelle 1, 4
- Calcium im Kanälchen — über TRPV5 in die Zelle
Im gewundenen Kanälchen holt die Zelle auch Calcium zurück: über den Kanal TRPV5 herein und über den Austauscher NCX1 auf der Blutseite hinaus. Gesteuert wird das vom Parathormon. Quelle 2↑ liefert Über TRPV5 und NCX1 holt dieser Abschnitt Calcium zurück, das sonst mit dem Harn hinausginge. Hier wird die Calcium-Ausscheidung fein eingestellt.
gesicherte Physiologie Quelle 2
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Ist viel Calcium im Blut, sinkt das Parathormon, das TRPV5 sonst anregt; der Abschnitt holt dann weniger zurück, und mehr Calcium geht in den Harn.
zu wenig — Ist wenig Calcium im Blut, steigt das Parathormon und regt die Rückholung über TRPV5 an, sodass weniger Calcium in den Harn geht.
gesicherte Physiologie · Quelle 2
- Magnesium am TRPM6 — Kanal im gewundenen Teil
Die Feinabstimmung des Magnesiums läuft im selben Abschnitt über den Kanal TRPM6. Was er nicht hereinholt, bleibt im Harn. Hier wird das letzte Magnesium zurückgeholt. Quelle 6, 2↑ liefert Über TRPM6 holt dieser Abschnitt das letzte Magnesium zurück, das sich noch zurückgewinnen lässt. Was hier nicht aufgenommen wird, geht in den Harn.
gesicherte Physiologie Quelle 6, 2
⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt
zu viel — Ist viel Magnesium im Blut, holt die Niere weniger zurück, und mehr geht in den Harn; so hält sie den Magnesiumspiegel.
zu wenig — Ist wenig Magnesium im Blut, holt die Niere mehr zurück, im gewundenen Teil über TRPM6, der hier die letzte Gelegenheit dazu bietet.
gesicherte Physiologie · Quelle 6
Was die Niere anders zurückholt
- Natrium — Der NCC holt Natrium zusammen mit Chlorid aus dem Kanälchen zurück; besetzt man ihn, bleibt diese Rückholung aus Quelle 1, 8
- Kalium — Mehr Natrium erreicht das Sammelrohr; dort gibt die Zelle im selben Zug Kalium in den Harn ab; Kalium im Blut sinkt Quelle 4, 8
- Calcium — Bei besetztem NCC ist eine stärkere Rückholung von Calcium beschrieben, anders als bei Schleifendiuretika Quelle 2, 3
- Magnesium — Im gewundenen Kanälchen sind weniger TRPM6 und ein vermehrter Magnesium-Verlust über den Harn beschrieben Quelle 2, 6
- Zink — Eine Übersicht klinischer Studien nennt für Hydrochlorothiazid allein einen vermehrten Zink-Austritt in den Harn Quelle 7
Was an diesen Schritten beteiligt ist
- Chlorid — Der NCC befördert Chlorid gemeinsam mit Natrium; beide Teilchen gehen nur zusammen durch; sonst bleibt es im Harn Quelle 1, 8
- ATP — Die Natrium-Kalium-Pumpe spaltet ATP und hält so das Gefälle, aus dem der NCC seine Triebkraft zieht; mit Magnesium Quelle 5
Was die Fachinformation nennt
Die Fachinformation dieses Wirkstoffs stammt aus einer älteren Zulassungsform. Sie führt die gemeldeten Reaktionen nach Organsystem auf und nennt dazu weder Häufigkeiten noch eine Vergleichs- oder Scheinpräparat-Gruppe; nur für die Meldungen nach der Zulassung stehen dort Zahlen. Die Tabelle gibt wieder, was dort unter der jeweiligen Überschrift steht.
So liest sich diese Tabelle: Außer in der letzten Zeile enthält sie keine Zahlen, weil die Fachinformation keine nennt. Ohne eine Vergleichsgruppe lässt sich weder sagen, wie oft eine Reaktion auftritt, noch ob sie ohne den Wirkstoff seltener wäre. Die Zahlen der letzten Zeile sind als zusätzliche Fälle je Patienten und Jahr angegeben, nicht als Anteil. Die Reihenfolge innerhalb einer Zeile stammt aus der Fachinformation: sie beginnt mit dem Schwersten.
| Was die Fachinformation dort aufführt | |
|---|---|
| Körper insgesamt | Schwäche |
| Herz und Kreislauf | Zu niedriger Druck im Kreislauf, auch beim Aufstehen |
| Verdauung | Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gelbsucht durch Gallestau in der Leber, Durchfall, Erbrechen, Speicheldrüsenentzündung, Krämpfe, Verstopfung, Magenreizung, Übelkeit, Appetitverlust |
| Blutbild | Aplastische Anämie, Agranulozytose, Leukopenie, hämolytische Anämie, Thrombozytopenie |
| Überempfindlichkeit | Anaphylaktische Reaktionen, nekrotisierende Angiitis (Gefäßentzündung, auch der Haut), Atemnot einschließlich Lungenentzündung und Wasser in der Lunge, Lichtempfindlichkeit, Fieber, Nesselsucht, Hautausschlag, Purpura |
| Stoffwechsel | Verschiebung der Salze, erhöhter Zucker im Blut, Zucker im Harn, erhöhte Harnsäure |
| Muskeln | Muskelkrampf |
| Nervensystem und Psyche | Drehschwindel, Missempfindungen, Schwindel, Kopfschmerz, Unruhe |
| Niere | Nierenversagen, eingeschränkte Nierenfunktion, interstitielle Nephritis |
| Haut | Erythema multiforme einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom, exfoliative Dermatitis einschließlich toxischer epidermaler Nekrolyse, Haarausfall |
| Sinne | Vorübergehend verschwommenes Sehen, Gelbsehen |
| Harn- und Geschlechtsorgane | Erektionsstörung |
| Nach der Zulassung | Nicht-melanozytärer Hautkrebs: Hydrochlorothiazid ist mit einem erhöhten Risiko für nicht-melanozytären Hautkrebs verbunden. In einer Studie im Sentinel System betraf das erhöhte Risiko vor allem das Plattenepithelkarzinom (SCC) und weiße Patienten, die große kumulative Mengen einnahmen. Für die Gesamtbevölkerung betrug die Zunahme beim SCC etwa 1 zusätzlicher Fall je 16.000 Patienten und Jahr, für weiße Patienten mit einer kumulativen Menge von 50.000 mg oder mehr etwa 1 zusätzlicher SCC-Fall je 6.700 Patienten und Jahr. |
Die letzte Zeile steht in der Fachinformation unter der Überschrift „Postmarketing Experience“; sie gibt wieder, was dort nach der Zulassung ausgewertet wurde. Die Fachinformation schließt den Abschnitt mit einem Hinweis zum Vorgehen bei mittelschweren oder schweren Reaktionen, der sich an die Behandelnden richtet.
Quellen
- Rioux AV, Nsimba-Batomene TR, Slimani S et al. Navigating the multifaceted intricacies of the Na(+)-Cl(-) cotransporter, a highly regulated key effector in the control of hydromineral homeostasis. Physiol Rev 2024 · PubMed 38329422
- Alexander RT, Dimke H. Effect of diuretics on renal tubular transport of calcium and magnesium. Am J Physiol Renal Physiol 2017 · PubMed 28274923
- Reilly RF, Huang CL. The mechanism of hypocalciuria with NaCl cotransporter inhibition. Nat Rev Nephrol 2011 · PubMed 21947122
- Palmer BF. Regulation of Potassium Homeostasis. Clin J Am Soc Nephrol 2015 · PubMed 24721891
- Clausen MV, Hilbers F, Poulsen H. The Structure and Function of the Na,K-ATPase Isoforms in Health and Disease. Front Physiol 2017 · PubMed 28634454
- Kröse JL, de Baaij JHF. Magnesium biology. Nephrol Dial Transplant 2024 · PubMed 38871680
- Braun LA, Rosenfeldt F. Pharmaco-nutrient interactions - a systematic review of zinc and antihypertensive therapy. Int J Clin Pract 2013 · PubMed 23279674
- US-Fachinformation (Vereinigte Staaten): Hydrochlorothiazide Tablets USP, DailyMed, Fassung vom 24.09.2026, Abschnitte DESCRIPTION, CLINICAL PHARMACOLOGY und Pharmacokinetics and Metabolism · Fachinformation
- US-Fachinformation (Vereinigte Staaten): Hydrochlorothiazide Tablets USP, DailyMed, Fassung vom 24.09.2026, Abschnitt ADVERSE REACTIONS · Fachinformation
Ganzer Weg: Hydrochlorothiazid
Stand 2026-09-25. Entwurf, von Claude nach Schema v2 geschrieben; Quellen in PubMed geprüft; fachliche Freigabe offen
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