← Zur Biomarker-Datenbank

Enterococcus faecalis: der Weg im Körper

Enterococcus faecalis ist Teil des Weges „Darmbakterien“. Diese Seite zeigt den ganzen Weg; die Station von Enterococcus faecalis ist hervorgehoben.

Hier steht dieser Laborwert: Enterococcus faecalis — Milchsäurebakterium. Enterococcus faecalis lebt in kleiner Zahl im Darm. Es wächst mit und ohne Sauerstoff, verträgt Galle und Salz und vergärt Zucker fast nur zu Milchsäure (Laktat). Gegen Cephalosporine ist es von Natur aus unempfindlich. Quelle 11

Kurz erklärt

Darmbakterien wie Bifidobakterien, Laktobazillen, Faecalibacterium und Akkermansia besiedeln vor allem den Dickdarm. Sie vergären Ballaststoffe und Schleimzucker zu kurzkettigen Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat, die Darmzellen als Brennstoff und Signal nutzen.

13 Stationen · 13 Quellen
ORYGärung im DickdarmAn der DarmwandGlykosidasenButyryl-CoA-Transf.β-OxidationMonocarboxylat-Transp.Mucin-GlykosidasenZugeführte BakterienStämme aus Nahrung, PräparatenBifidobacteriumBifidobakterienLactobacillusMilchsäurebakterienFaecalibacteriumF. prausnitziiBallaststoffeunverdauliche KohlenhydrateLaktat und Acetaterste GärprodukteButyratkurzkettige FettsäureZellen der DarmwandKolonozytenAkkermansiaA. muciniphilaSchleim (Mucin)Schicht über der DarmwandAcetat und Propionataus den ZuckerkettenFFAR2 und FFAR3Empfängerstellen der ZellenEnterococcus faecalisMilchsäurebakterium

Grafik seitlich wischen

Der Weg Schritt für Schritt

An jeder Station steht, was der Stoff dort tut. Drei Zeichen: ↑ liefert — baut auf oder stellt bereit · ↓ zehrt — hemmt, verbraucht oder entzieht · ↕ beides, je nach Menge. Dahinter steht, worauf die Aussage beruht: gesicherte Physiologie, in Studien beobachtet oder umstritten. Die Zeichen bewerten nicht; sie benennen die Richtung.

  1. Ballaststoffe → Laktat und Acetat Glykosidasen Bakterielle Glykosidasen spalten die langen Ketten in Zuckerbausteine; die Gärung führt zu Milchsäure, Acetat und Gasen. Andere Arten nehmen diese Zwischenprodukte auf. Quelle 1, 2↑ liefert Laktat und Acetat sind Zwischenprodukte, die Bakterien untereinander weiterreichen: Butyrat-Bildner nehmen Acetat auf, Laktat-Verwerter machen aus Laktat Butyrat oder Propionat. gesicherte Physiologie Quelle 1, 2
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Bleibt mehr Laktat übrig, als die Verwerter aufnehmen, sammelt es sich im Darminhalt an und senkt den pH-Wert.

    zu wenig — Ist wenig Acetat da, haben Butyrat-Bildner wie Faecalibacterium weniger Ausgangsstoff für den letzten Schritt.

    in Studien beobachtet · Quelle 1, 5

  2. Laktat und Acetat → Butyrat Butyryl-CoA-Transf. Butyrat-Bildner übernehmen Acetat und Laktat aus der Nachbarschaft — dieses Weiterreichen heißt Cross-Feeding. Das Enzym Butyryl-CoA:Acetat-CoA-Transferase liefert dabei den letzten Schritt. Ist wenig Acetat da, entsteht weniger Butyrat. Quelle 1, 5↑ liefert Butyrat ist das Endprodukt des Cross-Feedings und liefert den Dickdarmzellen Brennstoff. Ein Monocarboxylat-Transporter bringt es in die Zelle. gesicherte Physiologie Quelle 3, 1
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Ist mehr Butyrat da, als die Dickdarmzellen verbrennen, gelangt ein Teil davon über die Pfortader zur Leber.

    zu wenig — Ist wenig Butyrat da, etwa weil wenig Acetat und Laktat weitergereicht werden, kommt weniger davon an der Darmwand an.

    gesicherte Physiologie · Quelle 3, 1, 5

  3. Butyrat → Zellen der Darmwand β-Oxidation · Monocarboxylat-Transp. Die Zellen der Dickdarmschleimhaut nehmen Butyrat auf und verbrennen es in ihren Mitochondrien. Es deckt einen großen Teil ihres Energiebedarfs. Bleibt Butyrat übrig, wirkt es als Signal im Zellkern. Quelle 3, 1↑ liefert In den Dickdarmzellen wird Butyrat über die β-Oxidation zu Energie. Was nicht verbrannt wird, hemmt im Zellkern Histon-Deacetylasen und verändert so, welche Gene abgelesen werden. in Studien beobachtet Quelle 3
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Bleibt in der Zelle mehr Butyrat übrig, als sie verbrennt, hemmt es Histon-Deacetylasen stärker und verändert das Ablesen von Genen. Das ist vor allem in Zellkultur beschrieben.

    zu wenig — Kommt wenig Butyrat an, verbrennen die Dickdarmzellen weniger davon und greifen stärker auf andere Brennstoffe zurück.

    in Studien beobachtet · Quelle 3, 1

  4. Schleim (Mucin) → Acetat und Propionat Mucin-Glykosidasen Beim Abbau der Mucin-Zuckerketten entstehen Acetat und Propionat. Andere Arten im Umfeld nutzen diese Stoffe weiter. Propionat wird vor allem in der Leber verwertet. Quelle 4, 1↑ liefert Acetat und Propionat gelangen ins Blut: Propionat wird vor allem in der Leber verwertet, Acetat erreicht auch andere Gewebe. Über FFAR2 und FFAR3 wirken beide außerdem als Signal. gesicherte Physiologie Quelle 3, 1
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Entstehen viel Acetat und Propionat, sinkt der pH-Wert im Darminhalt, und mehr davon gelangt über die Pfortader zur Leber.

    zu wenig — Entsteht wenig davon, werden FFAR2 und FFAR3 seltener besetzt, und Butyrat-Bildner bekommen weniger Acetat.

    gesicherte Physiologie · Quelle 3, 1

  5. Acetat und Propionat → FFAR2 und FFAR3 Acetat und Propionat binden an die Rezeptoren FFAR2 und FFAR3 auf Darm-, Fett- und Abwehrzellen. Darüber wirken sie als Signalstoffe, nicht nur als Brennstoff. Besetzte Rezeptoren lösen die Abgabe von Darmhormonen aus. Quelle 3↑ liefert Besetzte FFAR2 und FFAR3 lösen in der Zelle Signale aus: Hormonbildende Darmzellen geben GLP-1 und PYY ab, Abwehrzellen ändern ihre Reaktion. Vieles davon stammt aus Tiermodellen. in Studien beobachtet Quelle 3
    ⚖ Wenn das Gleichgewicht kippt

    zu viel — Sind viele Rezeptoren besetzt, geben die hormonbildenden Darmzellen mehr GLP-1 und PYY ab. Das ist vor allem im Tiermodell und in Zellkultur beschrieben.

    zu wenig — Werden die Rezeptoren selten besetzt, fallen diese Signale schwächer aus; Mäuse ohne FFAR2 oder FFAR3 zeigen veränderte Hormon- und Abwehrreaktionen.

    in Studien beobachtet · Quelle 3

Weitere Stationen

Cofaktoren dieses Weges

Quellen

  1. Louis P, Flint HJ. Formation of propionate and butyrate by the human colonic microbiota. Environ Microbiol 2017 · PubMed 27928878
  2. Rivière A, Selak M, Lantin D et al. Bifidobacteria and Butyrate-Producing Colon Bacteria: Importance and Strategies for Their Stimulation in the Human Gut. Front Microbiol 2016 · PubMed 27446020
  3. Koh A, De Vadder F, Kovatcheva-Datchary P, Bäckhed F. From Dietary Fiber to Host Physiology: Short-Chain Fatty Acids as Key Bacterial Metabolites. Cell 2016 · PubMed 27259147
  4. Ioannou A, Berkhout MD, Scott WT et al. Akkermansia muciniphila: biology, microbial ecology, host interactions and therapeutic potential. Nat Rev Microbiol 2025 · PubMed 39406893
  5. Louis P, Flint HJ. Diversity, metabolism and microbial ecology of butyrate-producing bacteria from the human large intestine. FEMS Microbiol Lett 2009 · PubMed 19222573
  6. Suzuki R, Katayama T, Kim BJ et al. Crystal structures of phosphoketolase: thiamine diphosphate-dependent dehydration mechanism. J Biol Chem 2010 · PubMed 20739284
  7. Buckel W, Thauer RK. Flavin-Based Electron Bifurcation, A New Mechanism of Biological Energy Coupling. Chem Rev 2018 · PubMed 29561602
  8. Belzer C, Chia LW, Aalvink S et al. Microbial Metabolic Networks at the Mucus Layer Lead to Diet-Independent Butyrate and Vitamin B12 Production by Intestinal Symbionts. mBio 2017 · PubMed 28928206
  9. Zmora N, Zilberman-Schapira G, Suez J et al. Personalized Gut Mucosal Colonization Resistance to Empiric Probiotics Is Associated with Unique Host and Microbiome Features. Cell 2018 · PubMed 30193112
  10. Hill C, Guarner F, Reid G et al. Expert consensus document. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics consensus statement on the scope and appropriate use of the term probiotic. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2014 · PubMed 24912386
  11. García-Solache M, Rice LB. The Enterococcus: a Model of Adaptability to Its Environment. Clin Microbiol Rev 2019 · PubMed 30700430
  12. Huycke MM, Abrams V, Moore DR. Enterococcus faecalis produces extracellular superoxide and hydrogen peroxide that damages colonic epithelial cell DNA. Carcinogenesis 2002 · PubMed 11895869
  13. Ubeda C, Taur Y, Jenq RR et al. Vancomycin-resistant Enterococcus domination of intestinal microbiota is enabled by antibiotic treatment in mice and precedes bloodstream invasion in humans. J Clin Invest 2010 · PubMed 21099116

Ganzer Weg: Darmbakterien

Verwandte Wege

Stand 2026-09-16. Entwurf, von Claude nach Schema v2 geschrieben; Quellen in PubMed geprüft; fachliche Freigabe offen
Impressum Datenschutz Alle Biomarker